Kein Lager, kein Laden, keine Paketannahme: Beim Dropshipping schickt der Lieferant die Ware direkt an Ihre Kundschaft. Ihr Geschäft passt auf einen Laptop. Die Fragen, die trotzdem zuerst auftauchen, sind immer dieselben: Brauche ich ein Gewerbe, welche Rechtsform, welche Adresse kommt ins Impressum, und wie viel Steuern fallen an? Hier sind die Antworten in der Reihenfolge, in der Sie sie brauchen.

Kurz beantwortet
  • Dropshipping ist Handel. Sie brauchen vor dem ersten Verkauf eine Gewerbeanmeldung (§ 14 GewO).
  • Als Einzelunternehmen zahlen Sie dank Freibetrag und Anrechnung meist kaum Gewerbesteuer.
  • Als UG oder GmbH zahlen Sie sie voll. Dann entscheidet der Hebesatz Ihres Sitzes.
  • Ihr Impressum braucht eine Anschrift, unter der Sie tatsächlich erreichbar sind. Ein Postfach oder eine reine Weiterleitungsadresse reicht nicht.
  • Ein Online-Shop ist nicht an einen Ort gebunden. Den Sitz können Sie bewusst wählen.

Muss ich für Dropshipping ein Gewerbe anmelden?

Ja. Wer Waren einkauft und mit Gewinnabsicht weiterverkauft, betreibt Handel. Das gilt auch dann, wenn Sie die Ware nie selbst in der Hand haben. Die Anmeldung erfolgt nach § 14 GewO bei der Gemeinde, in der Ihr Betrieb seinen Sitz hat.

Ab wann? Mit dem Beginn der Tätigkeit, also bevor der Shop live geht und der erste Verkauf läuft. Eine Mindestgrenze gibt es nicht. Wer „erst mal testet“, betreibt bereits ein Gewerbe, sobald er mit Gewinnabsicht verkauft.

Was tragen Sie ein? Beschreiben Sie die Tätigkeit konkret, etwa „Online-Handel mit Sportartikeln im Streckengeschäft ohne eigenes Lager“. Vage Angaben wie „Internetdienstleistungen“ führen eher zu Rückfragen.

Nach der Anmeldung schickt Ihnen das Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Dort entscheiden Sie unter anderem, ob Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen. Sie gilt, wenn Ihr Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 € betrug und im laufenden Jahr 100.000 € nicht überschreitet (§ 19 UStG). Beim Dropshipping mit niedrigen Margen ist diese Grenze schneller erreicht, als man denkt, weil sie am Umsatz hängt und nicht am Gewinn.

Einzelunternehmen, UG oder GmbH?

Die meisten Shops starten als Einzelunternehmen. Das ist schnell, günstig und steuerlich für kleine Gewinne oft die bessere Wahl. Gewerbesteuer fällt zwar an, aber mit zwei Entlastungen: Die ersten 24.500 € Gewerbeertrag bleiben frei (§ 11 GewStG), und der Rest wird über § 35 EStG weitgehend auf die Einkommensteuer angerechnet.

Mit der UG oder GmbH fallen beide Entlastungen weg. Die Gesellschaft zahlt Gewerbesteuer auf den vollen Gewerbeertrag, und nichts wird angerechnet. Dafür haftet die Gesellschaft und nicht Ihr Privatvermögen, was bei Produkthaftung, Retouren und Plattformsperren schnell relevant wird. Das folgende Beispiel zeigt den Unterschied bei 60.000 € Gewinn:

Gewinn 60.000 €Einzelunternehmen BerlinEinzelunternehmen Schönefeld ab 2027UG/GmbH BerlinUG/GmbH Schönefeld ab 2027
Freibetrag24.500 €24.500 €keinerkeiner
Gewerbesteuer5.094 €3.479 €8.610 €5.880 €
Anrechnung § 35 EStG− 4.970 €− 3.479 €keinekeine
Belastung netto124 €0 €8.610 €5.880 €

Die Tabelle zeigt zwei Dinge. Für das Einzelunternehmen spielt der Standort bei der Gewerbesteuer praktisch keine Rolle, die Belastung liegt nach Anrechnung schon in Berlin bei 124 €. Wir sagen Einzelunternehmern deshalb offen, dass sie wegen der Steuer nicht nach Schönefeld kommen müssen. Für die UG oder GmbH dagegen ist der Hebesatz der größte Einzelposten, den Sie beeinflussen können: 2.730 € im Jahr bei diesem Gewinn.

Welche Rechtsform passt zu Ihrem Shop?

Der Standort-Check rechnet Einzelunternehmen und GmbH mit Ihren Zahlen durch, inklusive Freibetrag und Anrechnung, und sagt ehrlich, wann sich ein Wechsel nicht lohnt.

Wenn der Shop wächst: Wo der Hebesatz zählt

Die Gewerbesteuer einer Kapitalgesellschaft folgt der Formel Gewerbeertrag × 3,5 % × Hebesatz. Bei einem Shop, der als GmbH 150.000 € Gewinn macht, sieht das so aus:

Gewerbesteuer eines Online-Shops als GmbH bei 150.000 € Gewinn

Gewerbeertrag × 3,5 % × Hebesatz. Vereinfachte Rechnung ohne Hinzurechnungen und Kürzungen.

Gegenüber Berlin sind das ab 2027 6.825 € weniger im Jahr, gegenüber München 11.025 €. Nach Abzug der Geschäftsadresse, ab 1.788 € im Jahr, bleiben 5.037 € beziehungsweise 9.237 €. Dieses Geld steht Ihnen für Werbung, Lagerware oder Rücklagen zur Verfügung, jedes Jahr.

Warum das gerade für Online-Shops funktioniert: Ein Dropshipping-Betrieb braucht keinen Laden, kein Lager und keine Laufkundschaft. Anders als eine Werkstatt oder ein Restaurant ist er nicht an eine Straße gebunden. Das Gesetz lässt jede Gemeinde ihren Hebesatz selbst festlegen (§ 16 GewStG). Wer frei wählen kann, wo sein Betrieb sitzt, darf diese Wahl auch nutzen.

Welche Adresse kommt ins Impressum?

Jeder Shop braucht ein Impressum mit der Anschrift, unter der Sie niedergelassen sind (§ 5 DDG). Dieselbe Anschrift erscheint auf Rechnungen, in Versandbestätigungen, auf der Marktplatzseite und bei jeder Abmahnung. Für viele Gründer ist das die eigene Wohnung, und damit steht die private Haustür öffentlich im Netz.

Ein Postfach ist nicht zulässig. Und auch eine reine Weiterleitungsadresse hat einen Haken: Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass die Anschrift eines Postdienstleisters, unter der jemand weder wohnt noch Geschäftsräume hat, keine ladungsfähige Anschrift ist (BGH, Urteil vom 07.07.2023, V ZR 210/22). Für das Impressum heißt das: Sie brauchen einen Ort, an dem Sie tatsächlich angetroffen werden können.

Das ist der Unterschied zu unserer Bürogemeinschaft in Schönefeld. Es gibt Räume, über die Sie vertraglich verfügen, ein Firmenschild mit Ihrem Namen, Postannahme vor Ort und Besprechungsräume. Ihre Wohnanschrift bleibt privat, und die Geschäftsadresse hält auch einer genauen Prüfung stand. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie im Beitrag Virtuelles Büro, Coworking oder Sitzverlegung.

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Die Grenzen, die Sie kennen sollten

Ein niedriger Hebesatz wirkt nur, wenn die Gewerbesteuer auch dort entsteht. Maßgeblich ist der Ort der Geschäftsleitung (§ 10 AO). Wer den Sitz verlegt, aber alle Entscheidungen weiter in Berlin trifft, hat nur die Adresse gewechselt. Treffen Sie die wesentlichen Entscheidungen Ihres Shops regelmäßig und nachvollziehbar in Schönefeld und dokumentieren Sie das.

Ein Team im Homeoffice schadet dabei nicht. Das Bundesfinanzministerium hat 2024 festgehalten, dass das Homeoffice eines Arbeitnehmers in der Regel keine Betriebsstätte des Arbeitgebers begründet. Anders ist es, wenn Sie ein eigenes Büro mit Angestellten in einer anderen Stadt unterhalten: Dann wird die Gewerbesteuer nach den Löhnen auf die Gemeinden aufgeteilt (§ 29 GewStG).

Checkliste: Dropshipping sauber starten

  1. Tätigkeit konkret beschreiben und Gewerbe anmelden, bevor der Shop live geht.
  2. Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen, Kleinunternehmerregelung bewusst wählen oder ablehnen.
  3. Geschäftsadresse festlegen, die im Impressum trägt, und Ihre Wohnanschrift raushalten.
  4. Bei steigendem Gewinn mit dem Steuerberater die UG oder GmbH prüfen.
  5. Vor der Gründung den Sitz wählen und den Hebesatz mitrechnen, statt später umzuziehen.
  6. Geschäftsleitung am Sitz organisieren und dokumentieren.

Häufige Fragen

Ja. Dropshipping ist Handel und damit eine gewerbliche Tätigkeit. Sie melden das Gewerbe bei der Gemeinde an, in der Ihr Betrieb sitzt, und zwar bevor Sie den ersten Verkauf machen (§ 14 GewO). Eine Umsatzgrenze, unter der die Anmeldung entfällt, gibt es nicht.
Beschreiben Sie, was Sie tatsächlich tun, zum Beispiel: Online-Handel mit Haushaltswaren im Streckengeschäft ohne eigenes Lager. Je genauer die Beschreibung, desto weniger Rückfragen. Das Gewerbeamt hilft, wenn Sie unsicher sind.
Als Kleinunternehmer sind Sie von der Umsatzsteuer befreit, wenn Ihr Umsatz im Vorjahr 25.000 € nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 € nicht überschreitet (§ 19 UStG). Wer an Privatkunden in anderen EU-Ländern verkauft, sollte mit dem Steuerberater die One-Stop-Shop-Regelung besprechen.
Steuerlich meist nicht. Über § 35 EStG wird die Gewerbesteuer weitgehend auf die Einkommensteuer angerechnet, dazu kommt der Freibetrag von 24.500 €. Die Geschäftsadresse kann trotzdem sinnvoll sein, etwa damit Ihre Wohnanschrift nicht im Impressum steht.
Nein. Die Ware geht vom Lieferanten direkt an die Kundschaft. Genau deshalb ist ein Online-Shop nicht an einen Ort gebunden, und Sie können den Sitz dort wählen, wo er rechtlich und steuerlich am besten passt.
Ja, dafür ist sie gedacht. Wichtig ist, dass Sie unter der Anschrift tatsächlich erreichbar sind. Eine reine Weiterleitungsadresse erfüllt das nach der Begründung des BGH nicht (Urteil vom 07.07.2023, V ZR 210/22). In unserer Bürogemeinschaft gibt es Räume, Postannahme vor Ort und ein Firmenschild.
Nächster Schritt

Ihr Shop, Ihr Sitz, Ihre Zahlen

Wir rechnen im Erstgespräch mit Ihren echten Werten und sagen ehrlich, ob Schönefeld zu Ihrem Shop passt. Wer schon entschieden hat, schließt den Vertrag direkt online ab.

Quellen